2016/01/29 - Märchen viel älter als bisher vermutet

Die "Kinder- und Hausmärchen" von Wilhelm und Jakob Grimm gehören neben der Bibel und dem Koran zu den meistverbreiteten Schriften der Welt. Einer der Brüder, Wilhelm Grimm, war der Überzeugung, dass die Stoffe zu den Märchen zu seiner Zeit schon mehrere Tausend Jahre alt waren. Lange Zeit vertraten aber die Forscher die Meinung, dass die Gebrüder Grimm das Alter der Märchen überschätzt haben.

204 Jahre nach dem Erscheinen der Märchensammlung haben Forscher Beweise gefunden, die die These von Wilhelm Grimm unterstützen. Der britische Anthropologe Jamshid Tehrani und die portugiesische Völkerkundlerin Sara da Silva haben aus der Biologie bekannte Vergleichsmethoden auf Motive und sprachliche Zusammenhänge in den Märchen angewendet. So lässt sich z. B. das im britischen Sprachraum sehr bekannte Märchen "Der Schmied und der Teufel" bis in die Bronzezeit vor etwa 6000 Jahren zurückverfolgen. Das war die Zeit, als der Mensch anfing, aus Metall Werkzeuge herzustellen.

Die beiden Forscher haben 275 Märchentypen untersucht und bei 100 fanden sie auffällige Gemeinsamkeiten zur Entwicklung der indoeuropäischen Sprachen. Die Hälfte dieser Märchen soll mit über 50% Wahrscheinlichkeit in einer Stammsprache erzählt worden sein, auf die alle indoeuropäischen Sprachen zurückgehen. Sprache und Motive der beiden bekanntesten uralten Märchen, "Die Schöne und das Biest" und "Rumpelstilzchen", lassen sich bis ins 3. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung zrückverfolgen.

"Wir finden es bemerkenswert, dass diese Geschichten so lange überlebt haben, ohne aufgeschrieben worden zu sein. Sie wurden erzählt, bevor es Englisch, Französisch und Italienisch überhaupt gab. Möglicherweise wurden sie in einer ausgestorbenen indoeuropäischen Sprache erzählt." Viele der berühmtesten Volksmärchen, die wir heute kennen, wurden erst im 17. und 18. Jahrhundert aufgezeichnet. Die Studie der beiden Forscher gibt nun Wilhelm Grimms Theorie Recht. "Einige dieser Geschichten reichen viel weiter zurück als ihre erste literarische Aufzeichnung und sogar weiter zurück als bis zur klassischen Mythologie", sagte Dr. Tehrani.

http://www.welt.de/kultur/article151369664/Warum-die-Brueder-Grimm-doch-recht-hatten.html
http://www.heise.de/tp/artikel/47/47234/1.html
http://diepresse.com/home/science/4909039/Maerchen-sind-viel-aelter-als-bisher-vermutet?from=gl.home_wissenschaft

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